Sunday, November 21, 2010

Der Abschied des Schattens

Der Abschied des Schattens
Lu Xun, September 1924
Aus dem Chinesischen von Huiwen Zhang, Mai 2005
Wenn die Zeit kommt, daß einem im Schlaf die Zeit nicht mehr bewußt ist, kommt der Schatten, um Abschied zu nehmen, und zwar mit folgenden Worten–
Wenn es im Himmel etwas gibt, was mir nicht gefällt, will ich dort nicht hin; wenn es in der Hölle etwas gibt, was mir nicht gefällt, will ich dort nicht hin; wenn es in euerem kommenden Goldenen Zeitalter etwas gibt, was mir nicht gefällt, will ich dort nicht hin. 
Aber Du bist es, was mir nicht gefällt.
Mein Freund, ich will dir nicht mehr folgen, ich will nicht dableiben.
Ich will nicht!
O weh, ich will nicht, ich schwebe lieber im Nirgendwo.
Ich bin nur ein Schatten, der von dir Abschied nehmen und im Dunkel versinken wird; das Dunkel wird mich verschlingen, aber das Licht würde mich auslöschen.
Aber ich will nicht zwischen Dunkel und Licht schweben; ich versinke lieber im Dunkel.
Aber ich schwebe doch zwischen Dunkel und Licht, ich weiß nicht, sei es in der Morgen- oder Abenddämmerung. Ich hebe nur die aschgraue Hand, als tränke ich ein Glas Wein aus, ich werde allein in die Ferne gehen, wenn die Zeit kommt, daß mir die Zeit nicht mehr bewußt ist.
O weh, sei es in der Abendämmerung, verschlingt mich sicher der Abend; oder der Tag löscht mich aus, sei es in der Morgendämmerung.
Mein Freund, es wird bald Zeit.
Ich werde ins Dunkel gehen und im Nirgendwo schweben.
Du erwartest noch ein Geschenk von mir. Was denn kann ich dir schenken? Nichts, nur noch das Dunkel und die Leere. Aber ich will nur das Dunkel, das in deinem Tag verlöschen mag; ich will nur die Leere, die keinen Platz in deinem Herzen einnimmt.
Ich will es so, mein Freund–
Ich gehe allein in die Ferne, weder mit dir noch mit anderen Schatten im Dunkel. Nur ich werde vom Dunkel verschlungen; die Welt wird mir allein gehören.

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